WÄRMEPUMPEN IM VERGLEICH – WORAUF MUSS GEACHTET WERDEN?

27.01.2017.

Wärmepumpen – Je tiefer, desto besser

Wärmepumpen sind in den letzten Jahren bei Neubauten und guten Sanierungen zum Standard geworden. Sie erzeugen aus Luft, Grundwasser oder Erdwärme Energie für das Haus. Worauf muss geachtet werden? architekturbuero-schweiz.ch ceo Markus Baggenstos gibt Auskunft.

Was ist eine Wärmepumpe?
Die Wärmepumpe (WP) wandelt niederwertige Energie aus dem Erdreich, dem Grundwasser oder der Aussenluft in hochwertige Heizwärme um.> Zum Antrieb der Pumpen und Kompressoren wird elektrische Energie benötigt. Der Stromverbrauch beträgt dabei weniger als ein Drittel des produzierten Warm- und Heizwassers. Grundwasser ist die idealste und zugleich günstigste Wärmequelle mit einer beinahe konstanten Entnahmetemperatur über das ganze Jahr. Grundwasser ist mancherorts schon in einer Tiefe von 3 bis 4 Metern vorhanden.

Wärmepumpen mit Erdwärme
Die Erdwärmepumpe (oder Erdwärmesonde) ermöglicht die Nutzung von Erdwärme in Tiefen von 50 bis 400 Metern.
Die Temperatur in 120 Meter Tiefe ist zum Beispiel während des ganzen Jahres konstant und liegt in der Grössenordnung von 12 bis 15° C. Die Wärmeträgerflüssigkeit aus Wasser und Frostschutzmittel zirkuliert in U-förmigen Rohren, welche die Energie an die Oberfläche zur Wärmepumpe transportieren.
Erdwärmesonden sollten nur von »Gütesiegelfirmen» gebohrt werden, welche das FWS (Fördergemeinschaft Wärmepumpen Schweiz)-Gütesiegel tragen. Die Bohrfirmen müssen seit Januar 2010 ihre Arbeiten gemäss den Richtlinien der SIA 384/6 und des Bundesamtes für Umwelt «Wärmenutzung aus Boden und Untergrund» ausführen. Neu muss dem Kunden ein Rapport über die Bohrarbeit, die Hinterfüllung der Sonden, die Durchflussmenge in den Sonden und die Dichtheit der Erdsonden ausgehändigt werden.

Luft-Wasser-Wärmepumpen
Falls möglich, sollten Luft-Wasser-Wärmepumpen nicht eingesetzt werden, da sie keine effiziente Lösung darstellen. Vor allem, wenn sie ohne Solarunterstützung arbeiten. Dieser Gerätetyp entzieht der Aussenluft Wärme. Es braucht allerdings einiges an Antriebsenergie, sprich elektrische Energie, um aus kalter Aussenluft von z.B. minus 5 Grad noch ein Quäntchen Wärme für die gute Stube abzuringen! In Höhenlagen ab 900 m.ü.M. sind Luft-WP, monovalent betrieben, nicht mehr im gewünschten Mass effizient. Das hat aus meiner Sicht nichts mehr mit Energieeffizienz zu tun.

Was für eine WP-Anlage spricht
Eine WP braucht etwa die Standfläche einer Waschmaschine, also viel weniger als eine herkömmliche Ölheizung mit ihrem Öltank. Eine WP stinkt nicht nach Öl und ist, wenn richtig montiert, auch nicht laut. Das Gerät lässt sich also gut im Hauswirtschafts- oder Technikraum unterbringen. Wichtig ist bei der Installation einer WP, dass aus Stromspargründen zwingend auch das Warmwasser über diese Anlage aufbereitet wird. Die Einbindung der Sonnenenergie in Ihr Energiekonzept, sei es thermisch oder photovoltaisch, ist sehr sinnvoll.

Kaum Unterhaltskosten
Eine Wärmepumpenanlage mit Erdsonde(n) ist zwar nicht billig, jedoch als Langzeitinvestition gesehen günstig. Und sie ist praktisch wartungsfrei. Einmal montiert und in Betrieb genommen, kann man sie in den meisten Fällen für die nächsten zehn Jahre «vergessen». Nach dieser Zeit ist eine Kontrolle des Kompressors und der Flüssigkeit im Sondenkreislauf ratsam beziehungsweise neuerdings vorgeschrieben.
Wer eine Erdsondenanlage plant, sollte sich vom Wärmepumpenhersteller eine Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellen lassen. Sie werden feststellen, dass eine WP mit Erdsonde als Heizung bei Weitem am günstigsten und risikolosesten abschneidet. Falls Sie mit derselben Anlage Ihr Haus im Sommer auch kühlen möchten, so dürfen die Erdwärmesonden maximal 200 bis 220 Meter tief reichen. Bei zu langen Sonden ist die Sole für die Kühlung zu warm. Die jährlichen Kosten für die Betriebsenergie betragen je nach Wohnfläche, Stromtarif und Wärmepumpentyp zwischen 500 und 1000 Franken. 2008 wurden in der Schweiz 20 600 WP installiert; 39 Prozent Erdsonden-WP, 58 Prozent Luft-Wasser-WP und 3 Prozent Wasser-Wasser-WP.

Energiekonzept unentbehrlich
Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass je tiefer die Erdwärmesonde in den Untergrund getrieben wird, desto wärmer die Sole ist, die durch die Sonde in die Wärmepumpe strömt. Denn je wärmer die Primärflüssigkeit ist, also Grundwasser oder Sole, desto weniger elektrische Energie wird benötigt, um den Energiespeicher auf die gewünschte Temperatur aufzuheizen. Dies bedeutet kürzere Laufzeiten der WP und damit weniger Stromverbrauch. Anders gesagt: Mit weniger elektrischer Antriebsenergie kann mehr Heizwärme und Brauchwasser erzeugt werden oder die Laufzeit der WP nimmt ab.

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